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    Hallo zusammen,

    in Foren finde ich immer Aussagen, die in den Raum geworfen werden, aber ohne jeglichen Hintergrund. Deshalb möchte ich hier einmal meine Fragen stellen und hoffen, dass ihr mir die entsprechenden Antworten geben könnt.

    Wie zum Beispiel:
    Warum braucht man UV - Lampen?

    Hier die Antwort:
    Für die natürliche Vitamin D - Synthese wird UVB benötigt. Fehlt diese so treten meist folgende Probleme auf, wie auch hier im Forum beschrieben:

    " fallen ... aus den Ästen, verkrampfen und krümmen sich, haben z.T. gelähmte Hinterbeine... "
    oder im 'Art für Art' - Büchlein 'Malachit-Stachelleguane' vom Natur und Tier-Verlag steht: (Es wird keine UV-Beleuchtung verwendet!) "Die Aufzucht ... ist sehr schwierig. Bei nicht ausreichender Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen treten häufig Zitterkrämpfe im Alter von 1-3 Monaten auf, die meist tödlich verlaufen."

    Jetzt zu meinen Fragen, für die ich generell kein Hintergrundwissen gefunden habe. Chamäleons, besonders die Dreihornchamäleons, sollen ja besonders heikle Tiere sein. Für mich klingt dies etwas komisch, da die Tiere, wie ich gelesen habe, auf Hawai als invasive Art gelten.

    1. Warum brauchen diese Tiere eine so große Lüftung? Was passiert wenn man so ein Tier in ein normales Glas-Hochterrarium setzt? Wie lang ist dann die Lebenserwartung?

    2. Warum brauchen Tiere eine Nachtabsenkung von mindestens 10 Grad, bzw. nachts 13 Grad? Was passiert wenn es keine Nachtabsenkung gibt und wie lang wäre die Lebenserwartung.

    3. Auf einer Homepage habe ich zur Aufzucht der Jungtiere gelesen, dass es kritisch ist wenn die Temperatur über 24 Grad Celsius liegt. Was passiert dann?

    Vielen Dank schon mal für die Antworten.

    Viele Grüße,

    Otto

  • #2
    Wir reden jetzt mal von Tieren aus montanen Habitaten. Das betrifft Jacksonii zwar generell, aber Tiere verschiedener Unterarten und Populationen in unterschiedlichem Maße.

    1. Warum brauchen diese Tiere eine so große Lüftung? Was passiert wenn man so ein Tier in ein normales Glas-Hochterrarium setzt? Wie lang ist dann die Lebenserwartung?


    Die Tiere kommen aus Habitaten mit keimarmer Luft. In einem Terrarium herrscht eine relativ hohe Belastung, auch mit Luftkeimen. Ein effizienter Austausch mit der Raumluft verringert den Keimdruck. Damit reduziert sich die Wahrscheinlichkeit von Atemwegserkrankungen. Es ist weniger so, dass die Langlebigkeit an sich beeinflusst wird, sondern vielmehr so, dass die Wahrscheinlichkeit einer akuten zum Ableben führenden Situation durch bessere Belüftung reduziert wird. Also eine Verbesserung der Überlebensstatistik.

    2. Warum brauchen Tiere eine Nachtabsenkung von mindestens 10 Grad, bzw. nachts 13 Grad? Was passiert wenn es keine Nachtabsenkung gibt und wie lang wäre die Lebenserwartung.


    Die Tiere leben in Habitaten mit kalten Nächten und ihre Physiologie ist daran angepasst. 10 und 13 Grad sind schon eher eine Obergrenze. Ich war schon in ihren Heimathabitaten und muss sagen, teils wird es dort noch sehr viel kälter.
    Das Ausbleiben dieser täglichen metabolischen Ruhephase ist eine Stoffwechselbelastung, die auf Dauer das Immunsystem schwächt und die Tiere anfällig gegen Infektionen macht.


    3. Auf einer Homepage habe ich zur Aufzucht der Jungtiere gelesen, dass es kritisch ist wenn die Temperatur über 24 Grad Celsius liegt. Was passiert dann?



    Sie fallen bei zu hohen Temperaturen vom Ast, werden schwarz und sterben, wenn man sie dann nicht rasch kühl und feucht setzt
    Kober? Ach der mit den Viechern!




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    • #3
      Zuallererst, ich bin auch nur ein "lernender" mit einer Handvoll Jahren Terraristik Erfahrung, jedoch hoffe ich wenigstens ein Paar der Fragen beantworten zu können.

      Zunächst kommt es auf die Chamaeleon Art an, die du pflegst. Ich kann mir sehr gut vorstellen dass z.B. ein Ch. Calyptratus eine suboptimale Beluftung in einem Standard Terrarium wesentlich besser toleriert als so manche montane Afrikanische Arten. (Wenn man da so manches "Setup" sieht glaubt man gar nicht wie widerstandsfähig diese Art sein kann)

      Zum Thema Belüftung: so wie ich es verstanden habe ist die Chamäleonlunge anders als die Menschliche aufgebaut (eher sackartiger, weniger Alveolen und schlechteres Ventilations - Perfusions Verhältnis, also weniger gut durchblutet) und somit für Krankheiten der Atemwege anfälliger. Daher sollte man für gute Be- und Entlüftung sorgen um die Gefahr einer Infektion etc. bei Stauluft zu vermeiden. In freier Natur ist das eher weniger ein Problem, da die Viecher ja in Bäumen und Sträuchern hausen und in keinen schlecht belüfteten Kisten.

      Bei der Temperatur Frage kann ich mir auch keinen Reim draus machen, ich vermute dass bei den wechselwarmen Tieren vielleicht ab einer gewissen Temperatur Enzyme oder ganze Zell(verbände) den Betrieb verweigern oder Proteine denaturieren oder sowas. Aber nur reine Mutmaßung

      Grüße
      Zuletzt geändert von Camperhater; 02.09.2021, 21:24.

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      • #4
        Danke für die gute Antwort, ich hatte schon bezüglich der Belüftung diese Vermutung. Wenn ich jetzt aber 1 + 1 zusammenzähle, kann ich jetzt langsam verstehen, warum die Arten dann so schwer zu halten sind. Das würde aber bedeuten, dass es weniger auf die Belüftung des Beckens, sondern mit der Keimbelastung der Luft zusammenhängt. Niemand schreibt, dass er eine Aussenwand oder ein Fenster durch Gaze ersetzt hat. Die beste Lüftung wird demnach also nicht viel helfen, wenn die Keimbelastung der Raumluft zu hoch ist.

        Da die Tiere generell eine hohe Luftfeuchtigkeit benötigen und eine gute Belüftung eigentlich im Widerspuch dazu steht, müsste man dann nicht eine Umluftanlage mit Luftfilter für eine optimale Haltung dann einsetzen?

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        • #5
          Wenn Geld und Energiekosten keine Rolle spielen dann sicher. Ich hingegen würde zur Aufrechthaltung der Rlf allerdings auf Echte Pflanzen, eine zwei mal Täglich sprühende Beregnungsanlage (oder manuell) und eine Regulierung der Beluftungsflächen durch Abdecken bzw. nicht abdecken der Gazeflächen setzen.

          Auch bin ich der Meinung dass viele Tiere eher zu nass als zu trocken gehalten werden (so wie auch viele Pflanzen eher durch zuviel Gießen eingehen als durch zu wenig). Ein Regenwaldterrarium heißt nicht den ganzen Tag mit Wassertropfen gesprenkelte Blätter und kein einziger trockener Fleck.

          Grüße

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          • #6
            Aus irgendeinem Grund ist mein Beitrag von gestern gesperrt und nicht sichtbar.
            Darum hier noch einmal:

            Wir reden jetzt mal von Tieren aus montanen Habitaten. Das betrifft Jacksonii zwar generell, aber Tiere verschiedener Unterarten und Populationen in unterschiedlichem Maße.

            1. Warum brauchen diese Tiere eine so große Lüftung? Was passiert wenn man so ein Tier in ein normales Glas-Hochterrarium setzt? Wie lang ist dann die Lebenserwartung?

            Die Tiere kommen aus Habitaten mit keimarmer Luft. In einem Terrarium herrscht eine relativ hohe Belastung, auch mit Luftkeimen. Ein effizienter Austausch mit der Raumluft verringert den Keimdruck. Damit reduziert sich die Wahrscheinlichkeit von Atemwegserkrankungen. Es ist weniger so, dass die Langlebigkeit an sich beeinflusst wird, sondern vielmehr so, dass die Wahrscheinlichkeit einer akuten zum Ableben führenden Situation durch bessere Belüftung reduziert wird. Also eine Verbesserung der Überlebensstatistik.

            2. Warum brauchen Tiere eine Nachtabsenkung von mindestens 10 Grad, bzw. nachts 13 Grad? Was passiert wenn es keine Nachtabsenkung gibt und wie lang wäre die Lebenserwartung.

            Die Tiere leben in Habitaten mit kalten Nächten und ihre Physiologie ist daran angepasst. 10 und 13 Grad sind schon eher eine Obergrenze. Ich war schon in ihren Heimathabitaten und muss sagen, teils wird es dort noch sehr viel kälter.
            Das Ausbleiben dieser täglichen metabolischen Ruhephase ist eine Stoffwechselbelastung, die auf Dauer das Immunsystem schwächt und die Tiere anfällig gegen Infektionen macht.

            3. Auf einer Homepage habe ich zur Aufzucht der Jungtiere gelesen, dass es kritisch ist wenn die Temperatur über 24 Grad Celsius liegt. Was passiert dann?


            Sie fallen bei zu hohen Temperaturen vom Ast, werden schwarz und sterben, wenn man sie dann nicht rasch kühl und feucht setzt
            Kober? Ach der mit den Viechern!




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            • #7
              Vielen Dank für die ausführlichen Antworten und Informationen, die für mich sehr aufschlussreich waren.

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              • #8
                Hallo erst konnte ich nicht schlafen, weil ich um meine Tiere fürchtete, da meine Tiere unter anderen Bedingungen gehalten werden. Und jetzt kann ich nicht schlafen, mit dem Wissen, welche Mythen hier im Forum rumgeisterrn.

                Ich lasse jetzt daher erst einmal den ersten Klopper raus: Mit steigender Temperatur sinkt die relative Luftfeuchtigkeit. Aufgrund der Größe, besonders nach der Geburt, dehydrieren die Jungtiere sehr schnell. Wenn die Jungtiere also vom Ast fallen, schwarz werden und sterben, dann sollte man schnellstmöglich die Luftfeuchte erhöhen und den Tieren zu trinken geben. Dann gibt es auch keine Probleme mehr mit zu hohen Temperaturen.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: Chamaeleons.JPG
Ansichten: 87
Größe: 73,0 KB
ID: 1235382

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                • #9
                  Einspruch...das passiert auch bei 100% Luftfeuchte....was stimmt, ist dass die gefährliche Temperatur für jacksonii realiter meist deutlich höher als 24 Grad liegt
                  Das ist übriges das erste Mal, dass mir jemand vorwirft, Mythen zu verbreiten.
                  Zuletzt geändert von Ingo; 05.09.2021, 15:58.
                  Kober? Ach der mit den Viechern!




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                  • #10
                    Ich habe anscheinend Deine Antwort falsch interpretiert: 'rasch kühl und feucht setzt'. Sorry, nicht persönlich nehmen. Mythos, deshalb weil es anscheinend für meine Tiere nicht gilt. Ich lese das nur überall im Internet. Es hört sich so an, dass einer dies einmal geschrieben hat und alle das ganze nur noch wiederholen. Ich versuche nur heraus zu finden und zu verstehen, warum die Aussagen sich mit meinen Erfahrungen nicht decken. Ich habe jacksonii jacksonii, sind die denn so ganz anders zu halten? Ich habe bemerkt, dass meine Tiere erst einmal ganz durstig waren und habe Ihnen 1. Wasser angeboten, was sie gierig angenommen haben und 2. die Luftfeuchte noch einmal deutlich erhöht. Danach war alles in Ordnung und trinken jetzt auch nur noch ganz selten. Meine Jungtiere suchen gezielt die wärmsten Stellen im Becken auf und die sind deutlich höher als die 24 Grad. Den Unterschied sehe ich in der Luftfeuchte zwischen unseren Haltungsarten und die ist bei mir deutlich anders. Ich habe ein 24 Stundenprofil von Temperatur und Luftfeuchte an deren Lieblingsplätzen aufgezeichnet, deshalb kenne ich meine Klimadaten.

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                    • #11
                      Zitat von Ingo Beitrag anzeigen
                      Das ist übriges das erste Mal, dass mir jemand vorwirft, Mythen zu verbreiten.
                      Der Unwissende wird Dich sicherlich mit noch ganz anderen Dingen überraschen!

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                      • #12
                        Zitat von read_only Beitrag anzeigen

                        Der Unwissende wird Dich sicherlich mit noch ganz anderen Dingen überraschen!
                        Dieser Erguss abendlicher Prosa hat den Themenersteller ja wahnsinnig weitergebracht und ihm bei seiner Fragestellung etwas neues aufgezeigt. Ferner war er auch überhaupt nicht unnötig, obsolet oder Makulatur, sondern pädagogisch wertvoll und auch gar nicht oberlehrerhaft.

                        Mal ernsthaft, denken manchen Menschen überhaupt nach bevor sie schreiben oder haben die Rollen des Bürostuhls grad den Schlauch der Sauerstoffflasche abgezwickt?

                        Manchmal wünscht man sich wirklich dass manche Benutzer sich mehr an Motto des eigenen User-Namens orientieren.

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                        • #13
                          Zitat von Camperhater Beitrag anzeigen
                          Manchmal wünscht man sich wirklich dass manche Benutzer sich mehr an Motto des eigenen User-Namens orientieren.
                          Den Teil mit dem "hater" setzt Du selbst ja beeindruckend um.

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                          • #14
                            Ich habe selten so gelacht über Eure Kommentare. Wenn Ihr wüsstet wie Ihr Recht habt mit Euren nicht ernstgemeinten Kommentaren.

                            Besonders von Camperhater war die Antwort aber perfekt. Sacklunge und Atemwegs- / Lungeninfektionen habe ich auch schon aus anderen Bereichen als Chamäleons gehört. Für mich war Sacklunge, das fehlende Verbindungsstück. Danke.

                            Wenn ich Eure Aussagen mal überdenke, sagt Ihr, dass das Habitat keimarm ist und der Raum, in dem das Terrarium steht auch. Für mich klingt das so, dass Ihr die Keime züchtet, warum macht Ihr das eigenlich, oder woher kommen diese sonst her?
                            Für mich sieht es so aus, dass Ihr auf Eurem eigenen Schlauch steht und dieses Offensichtliche nicht erkennt. Aber ich bekämpfe ja auch nicht Auswirkungen, wenn dann nur die Ursachen. Aber jeder wie er mag.

                            Ich habe aber ein anderes Gebiet wo es schwierig ist an entsprechende Informationen zu bekommen, und das ist die Parasitologie bei Reptilien.
                            Ich kenne den Zustand meiner Tiere, da ich regelmäßig Kotuntersuchungen durchführe. Bei Neuzugängen ist meist etwas zu finden. Dann wird eine Kotprobe an ein Labor geschickt zur Bestätigung und anschließend können dann die Tiere tierärztlich behandelt werden. Leider bekommt man dann auch schon mal als Ergebnis 'o.b.B.' vom Labor zurückgeliefert, obwohl man selber etwas gesehen hat. Es kann natürlich sein, dass das, was man gesehen hat, pathogenetisch nicht bedeutsam ist und deshalb ohne bedeutenden Befund ist. Aber man bekommt leider kein Feedback vom Labor zurück was tatsächlich gesehen wurde. Nach Tests konnte ich jetzt aber feststellen dass es tatsächlich zu einem Fehlergebnis kommen kann, da nicht unbedingt alles ankommt was man abgeschickt hat. Dadurch ist man natürlich verunsichert.

                            Meine Tiere haben etwas, was pathogenetisch unbedeutsam sein soll. Auf Grund der Menge habe ich so meine Zweifel. Mich würde es interessieren ob bei Euren Tieren dies auch zu finden ist. Würde von Euch denn überhauptjemand den Kot seiner Tiere an mich versenden? Das Ergebnis meiner Untersuchung würde ich natürlich nur persönlich übermitteln. Mich interessiert nicht, bei wem was zu finden ist, sondern nur was normal ist, und eigentlich auch nur das pathogenetisch Unbedeutsame.

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                            • #15
                              Zitat von DerUnwissende Beitrag anzeigen
                              Wenn ich Eure Aussagen mal überdenke, sagt Ihr, dass das Habitat keimarm ist und der Raum, in dem das Terrarium steht auch. Für mich klingt das so, dass Ihr die Keime züchtet, warum macht Ihr das eigenlich, oder woher kommen diese sonst her?
                              Für mich sieht es so aus, dass Ihr auf Eurem eigenen Schlauch steht und dieses Offensichtliche nicht erkennt.
                              Warum sprichst Du Dr. Kober nicht direkt an? Warum Mehrzahl?

                              Zur Parasitologie gibt es viel Fachliteratur, es ist nicht schwierig dazu Informationen zu bekommen, schlimmstenfalls teuer. Du bereitest Kotproben also selbst auf und untersuchst sie selbst? Warum dann zusätzlich ein Labor? Und warum fragst Du hier, wenn das Labor, welches auch immer, nicht auf Deine Fragen reagiert?

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