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"Impaction" und mehr Diskussionsstoff

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  • "Impaction" und mehr Diskussionsstoff

    Hallo und Hi,

    aus gegebenem Anlass möchte ich gerne mal hier ein paar Punkte zur Diskussion stellen.
    Viele von Euch wissen sicher, daß der "american way of herping" so seine Eigenheiten hat und zT beträchtlich von der europäischen Vorgehensweise abweicht. Ich will hier aber nicht von dem überaus verbreiteten Vermenschlichungs und Streicheltrend oder von den leider oft seltsamen Ansichten über sinnvolle Terrariengrößen reden, sondern von Dingen, über die auch US amerikanische Halter und Züchter mit sehr respektablen terraristischen Erfolgen sich in Rage reden können: Stichwort Impaction und "Sterilität"!
    Jenseits des großen Teiches ist die Ansicht sehr verbreitet, natürliche Substrate zu verwenden bürge ein untolerierbar hohes Gesundheitsrisiko für unsere Pfleglinge. Die Häufigkeit von übermäßiger Substrataufnahme und dadurch bedingter Verstopfung mit Todesfolge sei bei Verwendung natürlicher Substrate hoch.
    Entsprechend werden viele Echsen auf Zeitungspapier, Kunstrasen, Nagerpellets oder Getreide als Substrat gepflegt. Für Uromastyx zB gilt Hirse als das Substrat der Wahl. Wer diese eifrigen Gräber auf Sand oder Sand Ton Gemischen hält, um ihnen artgerechte Grabemöglichkeiten zu bieten wird in entsprechenden Diskussionen meist rasch als unverantwortlich und unwissend abgestempelt. Wer gar für Regenwaldbewohner feuchte erdige Substrate oder für Wüstenbewohner Sand einsetzt erntet in vielen Kreisen ein entsetztes Kopfschütteln. Um nicht mißverstanden zu werden: Es gibt auch in den USA Herper, die natürliche Substrate verwenden-man schaue sich auch mal dort in den Zoos um, dort findet man oft sehr naturalistisch eingerichtete Terrarien-aber das sind tatsächlich Außenseiter, die gegen den Mainstream schwimmen.
    Genauso verbreitet wie die Furcht vor natürlichen Substraten ist die Furcht vor Krankheitskeimen. Kaum jemand wird es in den USA wagen, sich eine Wurzel aus dem Wald vor der Haustür zu holen-besser, man kauft die für 20 $ im Pet Shop und "bleacht" sie dann sicherheitshalber noch. Und Insekten aus dem Freiland als Zusatzfutter? Unverantwortlich, die wimmeln doch von Parasiten und Insektiziden!
    Nun ist es ja sehr lobenswert, sich um Gesundheisrisiken für seine Pfleglinge umfangreiche Gedanken zu machen, aber der Uro im Hirsebad tut mir irgendwie ebenso leid wie die Wasseragame auf Kunstrasen oder der Leo in einem Schuhkarton-"großen" Plastikgefäß mit Zeitungspapier.
    Entsprechend kontrovers agiere ich in Diskussionen um solche Thematiken mit US Herpern. Dabei merke ich inzwischen, daß ich immer wieder argumentiere, in Europa handele die Mehrzahl der Herper anders, ohne daß die befürchteten Folgen eintreten.
    Nun, vielleicht war das ja ein voreiliges Statement und entspricht gar nicht den Realitäten. Daher würde ich die geschilderten Ansichten hier gerne einmal zur Diskussion stellen und Eure Meinungen und Erfahrungen zu dieser Thematik hören.
    Vorab erst einmal meine ganz persönliche Einstellung dazu:
    Tod durch Substratfressen ist eine schlimme Sache und kommt vor. Solche Fälle sind aber durchaus vermeidbar. Meiner Ansicht nach ist dazu aber nicht das Entfernen des potentiell gefährlichen aber den natürlichen Gegebenheiten und Verhaltensweisen entgegenkommenden Substrates nötig, sondern meist vor allem ein Überdenken der Ernährung. Abgesehen von geringen Mengen gelegentlich beim Beuteerwerb mitgeschluckten Substrates, wird nämlich nach meinen Erfahrungen eine übergroße Substratmenge vor allem dann aufgenommen, wenn die Tiere unter Mineralmangel leiden. Dann wird aber geradezu unmäßig Substrat gefressen. Vor allem wohl, weil das aufgenommene Substrat die fehlenden Mineralstoffe eben nicht enthält und der Bedarf daher weiter besteht, wird das Fressen von Substrat exzessiv bis zum Verenden des Tieres fortgesetzt. Besonders betroffen sind dabei weiße (sieht "kalkig " aus!) Substratbestandteile, vor allem mittelgrober heller Kies. Das beim Beuteerwerb gelegentlich versehentlich mitgeschluckte Substrat kann meiner Meinung nach nur in seltenen Fällen Probleme machen. Und zwar vor allem dann, wenn etwa regelmäßig große Sandmengen an feuchten Futtertieren haften, scharfkantige Rindenstücke von Chamäleons mit dem Insekt mitgeschossen werden oder ähnliche größere Stücke von Schlangen beim Schlingakt mit einbezogen werden, die im schlimmsten Fall später den Darm aufschlitzen oder blockieren. Solchen Risiken kann man aber mit einfachen Maßnahmen vorbeugen, ohne gleich auf Zeitungspapier zurückgreifen zu müssen-das übrigens wegen der Schwermetalle in den Druckfarben sicher auch nicht völlig unbedenklich ist.
    Tiere, denen ständig Taubengrit, kleine Schneckenhäuschen oder andere "kalkige Krümel" zur Verfügung stehen und die artgerecht ernährt werden neigen nach meinen Erfahrungen ebenso wenig zum Substratfressen, wie ihre freilebenden Artgenossen auf ebensolchem Untergrund. Seit ich Terrarientiere halte -und das sind nun schon über drei Jahrzehnte- hatte ich nur einen Fall von gezieltem hartnäckigem Substratfressen. Und das war ein Phelsuma Weibchen, das nach einer Eiablage mangels zur Verfügung stehenden Grits oder ähnlichen Calciumquellen mit Ausdauer versuchte, vorstehende Teile der Gipsrückwand abzubeißen, was mich dann rasch daran erinnerte, den Mangel abzustellen.
    Meiner Meinung nach überwiegen die Vorteile naturnahen Bodengrunds, nämlich das ermöglichen artgerechter Grabe- und Tarnmöglichkeiten die potentiellen Gefahren - die ich sehr gering einschätze- bei weitem.
    Wie gesagt, US Herper sehen das anders.... Ich bin gespannt, wie hiesige Forenteilnehmer dazu stehen.
    Ein zweiter Punkt ist Sauberkeit. Klar, Kot entfernen, oberste Substratschicht regelmäßig austauschen und dergleichen halte auch ich für extrem wichtig. Aber den gerade in den USA so oft praktizierten Verzicht auf eine natürliche Bepflanzung und umfangreiche Versteckplätze aus Angst, dann das Terri nicht "steril" genug halten zu können, halte ich für ebenso übertrieben wie das "sterilisieren" jedes Gegenstandes, der in das Terri kommt.
    Von meiner Ausbildung her weiß ich, daß so ein Terri sowieso auch nicht annähernd steril zu bekommen ist-so sauber es auch aussehen mag und so oft man auch putzt. Das ist Streß für die Tiere, aber wirklich sauber im mikrobiologischen Sinne werden die Dinger nie. Etwaige Rückstände von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln können aber andererseits durchaus gefährlich werden.
    Ganz im Gegensatz zu diesem Trend habe ich sogar hervorragende Erfahrungen mit einem "Beimpfen" des Bodengrundes von zb feuchteren Terrarien mit Walderde gemacht. Mit solchen Zusätzen zum Bodengrund bringt man eine rege Kleinlebewelt in den Terrarienboden ein, die hilft, unentdeckte Futter- und Kotreste zu beseitigen, den Boden locker zu halten und nicht zuletzt auch ein kompetitives Umfeld zu schaffen, das die Vermehrung potentiell schädlicher Bakterien hemmt. In jedem Terrarium entwickelt sich daraus mit der Zeit eine ganz eigene Bodenlebewelt, die selber durchaus interessante Beobachtungsmöglichkeiten bietet und auch ab und zu von den eigentlichen Bewohnern als Zwischenmahlzeit genutzt wird.
    Gerade das durch solche Organismen entstehende Konkurenzmilieu halte ich für sehr sinnvoll. In einem "sauberen" Terrarium finden zB Krankheitserreger aus Echsenkot wenig Konkurrenten, oft aber durchaus ausreichend Nährstoffe vor. So können sie sich dort sogar besonders ungehemmt vermehren. In einem "beimpften" Becken werden unentdeckte Kotreste dagegen rasch von den Bodenorganismen abgebaut (Ein Tipp am Rande: Zophoba Käfer werden wegen ihrer Panzerung und der Stinkdrüsen von keinem Terrarienbewohner gefressen, verzehren selber aber mit Vorliebe und Ausdauer Echsenkot).Parasiten oder Krankheitserreger schleppt man sich durch die geschilderten Maßnahmen entgegen landläufiger Meinung nur höchst selten ein. Klar sammelt man Erde und Dekorationsstücke nicht an Pestizid-belasteten Feldrändern, an Straßen, nahe von Vogelkolonien oder in einem der wenigen noch verbliebenen Reptilien-reichen Habitate, aber selbst dann bewirkt die hohe Wirtsspezifität vieler (nicht aller!!) Parasiten, daß man sich nur selten böse Gäste einfängt. Ich habe mir jedenfalls noch nie per Ast oder Erde aus dem Wald Gesundheitsprobleme für meine Pfleglinge eingeschleppt.
    Äußere ich so etwas in Diskussionen mit US Herpern, verdrehen die meist förmlich die Augen und es schüttelt sie.
    Ehrlich gesagt, ich kann diese Aversion gegen naturnahe Terrarieneinrichtung und die damit verbundenen Ängste nicht nachvollziehen.
    Aber immerhin, jeder Herper hat dort gleich ein Beispiel parat, wo so etwas fatal endete. Sind das von Mund zu Mund wandernde Einzelfälle, Mythen oder Fakt?? Bin ich mit meiner Vorgehensweise ein verantwortungsloser Glückspilz, dessen Tieren es nur durch Zufall gut geht? Wer hat sich schon wie und was und wie oft eingeschleppt? Wie steht Ihr überhaupt zu dem Thema??

    Freue mich auf Antworten und rege Diskussionen!


    Gruß

    Ingo




    [Edited by Ingo on 28-02-2002 at 11:01 GMT]
    Kober? Ach der mit den Viechern!





  • #2
    Re: "Impaction" und mehr Diskussionsstoff

    Hallo Ingo,

    ich kann mich Deiner Meinung nur anschliessen. In der freien Natur leben unsere Pfleglinge auch nicht auf Zeitungspapier und niemand rennt mit Desinfektionsmittel herum. Wenn die Tiere nicht an Mineralstoffmangel leiden, kriegen sie vom natürlichen Bodengrund nur das ab, was sie auch in der Natur abkriegen. Meiner Ansicht nach ist es sogar völlig falsch, zu versuchen, ein Terrarium steril zu halten. Das führt nämlich meines Erachtens zu zwei schlimmen Folgen: Erstens verlieren die Tiere ihre Widerstandskraft, weil sie keine Abwehrkräfte gegen potentielle Schädlinge und Bakterien aufbauen können. Zweitens sind Schädlinge und Bakterien ziemlich erfinderisch, wenn es darum geht, gegen eingesetzte Desinfektionsmittel resistent zu werden, so dass immer mehr und immer stärkere Mittel eingesetzt werden müssen, um diese zu bekämpfen. Meiner Ansicht nach ein Teufelskreis, bei dem sich abwechselt, wer gerade die Nase vorn hat. Einmal die Desinfektionsmittel, einmal die Schädlinge und Bakterien. Und dies ist wissenschaftlich bewiesen. Zwar nicht bei Terrarientieren, wohl aber im Haushalt. Hier warnen Wissenschaftler ausdrücklich, ständig zu desinfizieren, da hierdurch Keime und Bakterien immer widerstandsfähiger werden und sich dann erst richtig vermehren. Auch Kinder, die in "sterilen" Haushalten aufwachsen, treten aufgrund fehlender Abwehrkräfte wesentlich häufiger Erkältungen und Infektionskrankheiten auf als bei solchen, die in normalen Verhältnissen aufwachsen. Ich denke, wir sollten versuchen, unseren Tieren einen Lebensraum zu schaffen, der der Natur so nahe kommt wie nur irgend möglich. Und da gehört ein natürlicher Bodengrund nunmal dazu. Und wenn sonst auch alles passt (Ernährung und Klima), weiss ich nicht, wo das Problem liegen soll. Bin gespannt, was die anderen Terrianer dazu meinen.

    Viele Grüße
    Barbara

    Kommentar


    • #3
      Re: Re: "Impaction" und mehr Diskussionsstoff

      hab´ noch was vergessen:

      wenn wir Tiere neu bekommen und diese anfangs anfälliger sind für Krankheiten oder ähnliches (Transportstress u.a.), kommen sie sowieso erst ´mal in ein (möglichst steriles) Quarantäne-Terri, ebenso wie Tiere, die aufgrund einer Erkrankung geschwächt sind oder die offene Wunden haben. Und gesunde Tiere sterben nicht an NATÜRLICHEM Bodengrund, da bin ich mir sicher. Du bist seit vielen Jahren Terrianer. Dass Dir noch kein Tier durch das Fressen des natürlichen Bodengrundes eingegangen ist, ist bestimmt kein Zufall, sondern ein Zeichen, dass es Deinen Tieren gut geht.

      Gruß
      Barbara

      [Edited by SarahKim on 28-02-2002 at 09:30 GMT]

      [Edited by SarahKim on 28-02-2002 at 09:31 GMT]

      [Edited by SarahKim on 28-02-2002 at 09:36 GMT]

      Kommentar


      • #4
        Re: "Impaction" und mehr Diskussionsstoff

        Hallo zusammen, hallo Ingo,

        da ich mit einigen Waranhaltern aus Ami-Land regelmäßigen E.Mail-Kontakt pflege, kann ich diese unterschiedlichen Positionen bestätigen.
        Aber der Reihe nach:
        Am übermäßigen Substratfressen sind mir vor Jahren mal 2 juvenile Leo´s eingegangen. Aber auch da war die Ursache eine mangelnde Mineralstoffversorgung. Denn die anschließend aufgestellte Futterschale mit Sepiastückchen sorgte dafür, daß die anderen Geschwister von da an ohne Sandfressen sehr gut gediehen.

        Ich betreibe die Terraristik nun auch schon seit über 20 Jahren und habe noch nie ein Sterilterrarium mit Zeitungspapier, Kunstrasen o. ä. betrieben (außer zur Quarantäne).

        Wenn du nur ein verantwortungsloser Glückspilz bist, gilt das für mich auch. Ein Todesfall durch Äste, Boden oder sonstiges "von Draußen" ist mir nicht bekannt.

        Mir sind aber durchaus Negativerfahrungen der Sterilhaltung bekannt und da komme ich jetzt wieder auf die Waranhalter aus Amiland zurück.
        Zu meinen Becken höre ich zwar immer ein "great stuff brother", aber wenn ich dann Fotos von deren Becken bekomme kann ich es manchmal nicht glauben wie die Tiere aus Angst vor Keimen gehalten werden. Ich habe Terrarien-Fotos von V. timorensis - "Setup´s" gesehen, die bestanden nur aus einem (EINEM !!) entrindeten Ast und Zeitungspapier am Boden. Von der Terrigröße wollen wir mal gar nicht erst reden.
        Die selben Leute schicken mir aber jedes Jahr eine Mail und klagen über ausbleibende Paarungen und Nachzuchten sowie über die Scheu ihrer Tiere.
        Meine Warane fressen hier und da mal ein Stück Pinienborke mit wenn es grad am Futtertier hängt. In den ganzen Jahren kamen die Stücke allerdings alle auch wieder hinten raus ;-)) Die reichhaltige Strukturierung in meinen Terrarien mit möglichst naturnahen Materialien wirkt sich nach meinen Erfahrungen und Beobachtungen nur positv auf Verhalten und Wohlbefinden der Tiere aus.
        Ich kenne auch sonst niemanden, der explizit Todesfälle durch Einrichtungsmaterial von draußen gehabt hätte.
        Was ich wohl auch kenne, sind z. B. die lästigen Ameisen aus den Korkästen/röhren, aber mein Gott, in der Natur gibt es schließlich auch Ameisen.
        Ich denke in Amerika werden viele Wildfänge gehandelt. Wo die im Todefall ihre Keime her hatten kann ich nicht beurteilen. Ich halte diese Keimpanik jedenfalls auch für weit überzogen und werde schön bei meinen naturnahen Becken bleiben.

        Never change a running system !!

        Gruß Stefan L.

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        • #5
          noch was

          Im übrigen finde ich die These ganz interessant, daß die Tiere durch die sterile Haltung mit wenigen Versteckmöglichkeiten unter permanentem Streß stehen und gerade dadurch für Keime anfällig(er) werden - die so oder so im Terrarium vorhanden sind, ob nun steril oder nicht.

          Stefan L.

          Kommentar


          • #6
            Wäre das nichts für "elaphe"?

            Lieber Herr Kober,

            eine hochinteressante Diskussion haben Sie da begonnen! Ich bin der Meinung, dass diese auch den "internetlosen" Lesern von "elaphe" zugänglich sein sollte.
            Leider fehlt mir die Zeit, wie für die aktuelle "elaphe", regelmäßig alle geeigneten Beiträge zu sammeln und zu editieren. Hätten Sie nicht Lust, dieses Mal diese Aufgabe zu übernehmen? Sie müssten dann bis zum 1. April die gesammelten Diskussionsbeiträge in der DGHT-Geschäftsstelle einreichen. Ich würde mich freuen.

            Danke,

            Wolfgang Bischoff
            Redakteur der Zeitschrift "Die Eidechse"

            Kommentar


            • #7
              Re:

              Hallo Ingo,
              völlige Zustimmung meinerseits. Fraglich ist nur ob die mögliche Infektionsgefahr nicht nur ein vorgeschobenes Argument für die Bequemlichkeit der bertreffenden US-Herpern ist. Tonnenweise Lehm für sein artgerechtes UroBecken abzugraben und nach Hause zu schleifen ist was anderes als den 20kg und US$10 schweren Beutel nach Hause zu transportieren. Mich wurmen aber mehr die in den US Foren verbreiteten Aussagen über Beckengrössen, etc.

              [Edited by KBoht on 28-02-2002 at 09:18 GMT]

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              • #8
                Re: "Impaction" und mehr Diskussionsstoff

                Lieber Herr Bischoff,

                mache ich gerne....nicht zuletzt, da ich ein schlechtes Gewissen habe, weil ich den versprochenen Beitrag zu Problemen bei der Chamäleonhaltung nicht liefern darf (bin durch einen Vertrag diesbezüglich gebunden). Aber vielleicht fält mir ja noch ein weiteres Thema ein...

                Aber ich schweife ab: OK, ich sammele, kürze, wo ich es für sinnvoll erachte und schicke den oder die bearbeiteten Threads, die ich für interessant halte dann unter Bezug auf Sie an die Geschäftststelle.
                Nun hoffe ich, daß das weitere Forenleser nicht abschreckt, sondern motiviert, sich zu diesem und anderen Themen zu äußern ;-)

                Gruß

                Ingo

                [Edited by Ingo on 28-02-2002 at 10:25 GMT]
                Kober? Ach der mit den Viechern!




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                • #9
                  Re: "Impaction" und mehr Diskussionsstoff

                  Lieber Herr Kober,

                  danke für die Zusage.
                  Schade, dass es mit dem Chamäleon-Aufsatz nicht klappt. Sie hatten seinerzeit auch angeboten, etwas über die Bebrütung von Reptilieneiern zu schreiben. Ich denke, dass das auch viele Leser von "elaphe" interessieren würde.

                  Viele Grüße,

                  Wolfgang Bischoff
                  Redakteur der Zeitschrift "Die Eidechse"

                  Kommentar


                  • #10
                    Re:

                    Moin,

                    ist ja praktisch schon alles gesagt und ich kann auch nur meine
                    eigenen, durchweg positiven Erfahrungen mit natürlichen
                    Einrichtungsgegenständen dazu geben.
                    Ich halte z.B. alle meine "Wüstentiere" auf dem geeigneten Sand und fast alle
                    Steine, Felsen, Äste usw. wurden der hiesigen Natur entnommen.
                    Das einzig künstliche sind die Styropor Felsaufbauten als Rück- und Seitenwand.
                    Ausser ein paar Ameisen habe ich bislang noch nie, ich betone noch nie Probleme
                    bei den von mir gehaltenen Tieren gehabt.
                    Zur aktiven Aufnahme des Bodensubstrates kann ich auch nur Ingos
                    Meinung bestätigen, es geschieht nur wenn nicht genügend Mineralstoffe
                    zur Verfügung gestellt werden.
                    An Darmverschluss habe ich in der ganzen Zeit gerade mal ein Tier verloren
                    und dies lag an einer abgebrochen Ecke Styropor bzw. an den entstandenen Kügelchen
                    welche von dem Tier gefressen wurden.
                    Ein Fehler der mir durch die richtige Bearbeitung des Materials inzwischen auch
                    nicht mehr passieren kann.
                    Leider wird die Amerikaniesierung in den deutschen Terrarien auch immer mehr Einzug
                    halten, da immer mehr Leute Hängematten und Co. für ihre Tiere erwerben
                    und sich mehr oder weniger ein "Designermöbelstück" in ihr Wohnzimmer holen.
                    Wie war das doch neulich in einem Posting (glaube von Paul K.) blauer Quarzsand
                    und als Tiere schöne High Yellow Leopardgeckos.

                    Gruss Lippe
                    der weiterhin auf die natürlichen Materialien vetraut.


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                    • #11
                      Re:

                      Ein weiteres Paradebeispiel, welches ich eben vergass, sind die
                      inzwischen nicht mehr ganz so neuen, Plastikterrarien.
                      Bequemer geht es kaum, Lampe reingeschraubt und fertig.
                      Gerade Uromastyxhalter/züchter in den USA benutzen diese
                      aus Bequemlichkeit(Faulheit?) doch sehr gern.
                      Beckengrößen von 80 x 50 x 50 für Uromastyx acanthinurus sind
                      keine Seltenheit und ich könnte (darf ich aber leider nicht)
                      Fotos von Züchtern veröffentlichen, das sich den meisten hier
                      die Nackenhaare sträuben würden.

                      Gruss Lippe (Jürgen Lipfert....der Vollständigkeit halber ).

                      P.S. Erstaunlich finde ich aber gerade in diesen Bereichen die doch nicht
                      zu unterschätzenden Nachzuchterfolge mancher Halter.

                      Kommentar


                      • #12
                        Re: "Impaction" und mehr Diskussionsstoff

                        Hallo an alle,

                        ich bin da ganz eurer Meinung.
                        Das Problem besteht meiner Ansicht nach darin, dass die "Steril-Halter" versuchen, Symptome zu bekämpfen, anstatt die Ursachen des Fehlverhaltens zu suchen. Konkrete Beispiele aus USA kenne ich hauptsächlich in der Behandlung von Haustieren. Es ist dort weit verbreitet, kratzenden Katzen die Krallen zu ziehen, harnmarkierenden Katzen die Riechnerven zu durchtrennen und bellenden Hunden die Stimmbänder! Hört sich furchtbar an, ist es auch, wird aber von den meisten amerikanischen Tierärzten praktiziert. Es gibt erst sehr wenige Tierärzte, die sich gegen solche "Behandlung von Verhaltensstörungen" (sind natürlich keine Verhaltensstörungen, sondern natürliches Verhalten, mit dem wir Menschen nicht klarkommen) äußern.
                        Vielleicht liegt es auch daran, dass Menschen gerne alles kontrollieren möchten und ein Stück "wilde Natur" nicht so gut kontrolliert werden kann wie ein einzelnes Tier in steriler Verpackung (böse Natur, hinterhältig, hart und ungerecht; man sieht schließlich täglich im Fernseher, wie die guten Tiere von den bösen gefressen werden).
                        Ich bin auf jeden Fall froh, dass man hier in Europa nicht den Sinn für die Zusammenhänge verliert, dass man lieber versucht, die natürlichen Lebensbedingungen der Tiere so gut wie möglich zu simulieren, anstatt einen störenden Faktor nach dem anderen völlig zu beseitigen bis nur noch ein krankes, gestresstes Tier übrig bleibt.
                        Die unterschiedlichen Meinungen gibt es also nicht nur unter Terrarianern, sondern ist m.E. ein Ausdruck der verschiedenen Lebensauffassungen. Was nicht heißen soll, Amis böse, Europs gut - nein - es gibt schließlich hier und "drüben" jene und solche. Ich glaube eher, es sind Trends, die sich verbreiten wie eine Mode und von unerfahreneren Terrarianern unbesehen angenommen werden. Und ich hoffe, dass dieser Trend nicht über den großen Teich kommt und auch bei uns Fuß fasst.

                        Viele Grüße
                        Birgit Rödder/DGHT

                        Kommentar


                        • #13
                          Substrat: Seramis

                          Hallo Ingo, hallo alle anderen

                          zum Substratfressen ein vielleicht auch für die anderen interessantes Beispiel:
                          Ich halte 1.1 Phelsuma v-nigra pasteuri in einem Terrarium mit Seramis als Bodengrund. Vitakalk steht zur Verfügung und wird genommen. Seit mehreren Monaten finde ich immer wieder Kotkleckse mit je einem relativ großen Seramis Korn. Den Tieren (ob nur eines Substrat frißt weiß ich nicht) scheint das gar nichts auszumachen (das 0.1 hat nach der Winterpause wieder Eier).

                          Hat jemand schon mal ähnliches beobachtet, oder Probleme damit bekommen??


                          viele Grüße

                          Arnd
                          Ingo wrote:
                          Hallo und Hi,

                          "Einstellung dazu:
                          Tod durch Substratfressen ist eine schlimme Sache und kommt vor. Solche Fälle sind aber durchaus vermeidbar. Meiner Ansicht nach ist dazu aber nicht das Entfernen des potentiell gefährlichen aber den natürlichen Gegebenheiten und Verhaltensweisen entgegenkommenden Substrates nötig, sondern meist vor allem ein Überdenken der Ernährung."Freue mich auf Antworten und rege Diskussionen!


                          Gruß

                          Ingo




                          [Edited by Ingo on 28-02-2002 at 11:01 GMT]
                          Derzeit: Lampropeltis, Rhadinophis und Elaphe

                          Kommentar


                          • #14
                            Re:

                            Moin Moin,

                            kann mich ebenfalls nur anschließen.
                            Ich habe (meines Wissens) noch nie Tiere durch von draussen eingeschleppte Organismen oder durch falschen Bodengrund verloren, und ich benutze von Anfang an Material von draussen, natürlich unbehandelt.
                            Wenn ich so die amerikanischen Geckobecken sehe, denke ich ehrlich gesagt meistens, die spinnen , die Amis - Haltung auf Papiertüchern etc, davon halte ich gar nichts. Außerdem würde ich mir solch ein Becken niemals irgendwo hinstellen weil die generell extrem unansehlich sind - das ist kein Ausschnitt aus der Natur, sondern eine bloße Lagerung von Tieren (erinnert mich immer an meinen letzten Besuch bei einem Grosshändler aus der Ecke Freiburg/Brsg ...).
                            Was mir bei "impaction" immer einfällt, ist dieses "crushed walnut shells substrate" - und das ist ja nun geradezu prädestiniert um Probleme zu machen, aber ansonsten sicherlich recht keimarm ...

                            Meine Devise bei der Terrarieneinrichtung ist mittlerweile: soviele Versteckplätze wie möglich, mein letztes Becken ist derart dicht bepflanzt das die Tiere (U.phantasticus) diverse Möglichkeiten haben sich so zu Verstecken, dass sie tagsüber überhaupt nicht gesehen werden können - nach meiner Meinung ein wichtiger Faktor der Stressreduzierung. Mir ist klar, dass dann ein Stück notwendiger Kontrolle verloren geht, bin aber der Meinung, dass ist es Wert - dann muss man eben jede Nacht gucken, ob sie alle wieder gesund und munter aufgetaucht sind.


                            Die ständigen Bemühungen um Sterilität halte ich sogar für gefährlich - wirklich keimfrei kriegen die das Becken niemals (die Futtertiere schon gar nicht), wenn man aber ständig desinfiziert, züchtet man sich einen resistenten Keim, der dann absolut dominiert und das ist dann wirklich gefährlich; wenn man eine einigermassen vielfältige Flora hat, hält die sich gegenseitig in Schach - ist das selbe Problem wie in OP-Räumen etc (Hospitalismus).
                            Wenn man den Leuten mal stecken würde, wieviele Bakterien natürlicherweise auf ihnen leben, würde die wahrscheinlich vor Schreck umfallen !

                            Ist vielleicht tatsächlich eine Frage der Einstellung (oder Entfremdung ?) zur Natur ...

                            1000 Grüsse,
                            Paul

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                            • #15
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                              Was mir gerade noch aufgefallen ist:
                              Wenn tatsächlich bei Kalkmangel bevorzugt weisse/helle Substratanteile aufgenommen werden, müsste das doch bedeuten, dass die Tiere eine angeborene Disposition haben, bei Kalkmangel "helles" zu fressen - höchst interessant !!!

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